Die allergische Katze
Die drei Allergie-Type
Die Allergie ist eine klinische Diagnose mit dem Hauptsymptom „Juckreiz“ (Abb. 1). Erst folgend entwickeln sich Haut- und Ohrenentzündungen (Abb. 2). Es stehen verschiedene Methoden zur Bestimmung möglicher Allergie-auslösender Allergene zur Verfügung. Vor Start der Diagnostik ist es wichtig zu wissen, welche Allergie-Typen es gibt (Abb. 3).
Es stehen verschiedene Methoden zur Bestimmung möglicher Allergie-auslösender Allergene zur Verfügung. Vor Start der Diagnostik ist es wichtig zu wissen, welche Allergie-Typen es gibt (Abb. 3).
Gut zu wissen
Für Praxis und Tierbesitzer:innen: Juckreiz-Skala (nach Hill et al. 2009):
10 = Sehr starker, fast schon dauerhafter Juckreiz. Das Tier kann von dem Juckreiz nicht abgelenkt und nur durch körperliche Einschränkungen (z.B. durch einen Halskragen) vom Kratzen abgehalten werden.
8 = Starker Juckreiz, welcher auch manchmal nachts auftritt (Hund/Katze wacht auf, um sich zu kratzen). Das Tier kann nicht abgelenkt werden, z.B. durch Spiel, Futter etc.
6 = Mäßiger Juckreiz, welcher selten nachts auftritt. Das Tier kann durch Fressen, Spielen, Schlafen etc. abgelenkt werden.
4 = Milder, häufiger auftretender Juckreiz. Das Tier kann abgelenkt werden.
2 = Milder, gelegentlicher Juckreiz. Eine Verletzung der Haut liegt nicht vor.
0 = Normales Kratzverhalten (im Vergleich zu anderen Tieren), Juckreiz tritt nur selten auf.
Flohspeichelallergie – einfach in Diagnostik und Therapie
Der Katzenfloh lebt ganzjährig in den deutschen Haushalten. Man kann daher davon ausgehen, dass jede Katze – unabhängig ob Wohnungskatze oder Freigänger – immer wieder Kontakt zu Flöhen hat. Im Vergleich zum Hund leiden deutlich mehr, nämlich ungefähr 50 % der allergischen Katzen an einer Flohspeichelallergie.
Tipp:
Die Flohspeichelallergie muss nicht mit einem sichtbaren Flohbefall einhergehen, da selbst einzelne Flöhe bei einer Flohspeichel-allergischen Katze zu starkem Juckreiz führen.
Leider zeigen sowohl Blut- als auch Hautallergietests eine Flohspeichelallergie nicht verlässlich an. Daher ist der Test der Wahl die Nutzung eines zuverlässigen und schnell wirksamen Medikaments gegen Flöhe über mehrere Monate.
Tipp:
Alle Tiere im Haushalt sollten mit Medikamenten gegen Flohbefall behandelt werden, um die Menge an Flöhen im Haushalt möglichst stark zu reduzieren.
Dann ist es Zeit für eine Provokationsprobe. Dafür weist man die Besitzer:innen an, das Medikament nicht mehr zu geben. Man lässt beobachten, ob sich ein erhöhter Juckreiz-Level einstellt, welcher mit der erneuten Gabe des Ektoparasitikums wieder besser wird.
Wie behandelt man eine Flohspeichelallergie? Ganzjährige Flohprophylaxe! Hört sich simpel an, und kann es ehrlich gesagt auch sein. Die größeren Schwierigkeiten bei der Abklärung von allergischen Katzen kommen beim nächsten Thema.
Die Futtermittelallergie wird zur wahren Herausforderung
Die Juckreiz-auslösende Futtermittelallergie bei Hund und Katze wird, soweit es der aktuelle wissenschaftliche Stand hergibt, durch tierische Proteine ausgelöst. Der „Goldstandard“ zur Ermittlung einer Futtermittelallergie ist die Eliminationsdiät. Auch hier scheinen positive Blutallergietests weiterhin nicht mit einer tatsächlich vorhandenen Futtermittelallergie zu korrelieren.
Die 3 Phasen der Eliminationsdiät:
1. Eliminationsdiät (nicht diagnostischer Teil der Diät)
- Fütterung einer einzelnen, für die Katze neuen Proteinquelle oder einer hydrolysierten Diät (letztere sollte idealerweise auch kein der Katze bekanntes Protein enthalten) über 8 – 10 Wochen.
- Ziel: Als Vorbereitung für eine Provokationsprobe alles wegnehmen, worauf die Katze reagieren könnte.
2. Provokationsprobe (diagnostischer Teil der Diät)
- Fütterung eines Futters unter dem die Katze den Juckreiz hatte.
- Ziel: Auslösen eines erhöhten Juckreiz-Levels (positive Provokation) und damit Diagnosestellung Futtermittelallergie.
3. Suchphase
- Es können verschiedene Proteinquellen in Form mehrerer aufeinander folgender Provokationsproben durchgeführt werden.
- Ziel: Erweiterung des Fütterungs-„Menüs“ der Katze. Medizinisch nicht notwendig, aber freut die Besitzer:innen.
Es gibt Fälle, in denen die Durchführung der Eliminationsdiät aus verschiedenen Gründen nicht möglich ist. Dieser Fall tritt bei der Katze im Vergleich zum Hund häufiger auf. Es gibt nicht wenige Katzen, die eher vor dem vollen Napf verhungern würden, als das neue Futter zu fressen. Auch bei Freigänger-Katzen kann eine ausschließliche Fütterung einer Proteinquelle nicht wirklich sichergestellt werden, ohne diese – für die Zeit der Diät – im Haus zu halten.
In diesen Fällen sollte Verständnis gezeigt werden. Zum Wohl der Patienten und Besitzer:innen sollte vermittelt werden, dass es in Ordnung ist, keine Diagnose stellen zu können. Sich einzugestehen, dass keine finale Diagnose gestellt werden kann, ist für alle Beteiligten frustrierend.
Was macht man dann?
- Management und symptomatische Therapie der auftretenden Haut-/Ohrenentzündungen
- bei Bedarf juckreizlindernde Medikamente als Dauertherapie
Gut zu wissen
Die Dauer einer Provokationsprobe kann zwischen wenigen Tagen und 2 Wochen liegen. Jede Katze ist unterschiedlich stark allergisch. Daher können sie unterschiedlich schnell auf eine Provokation reagieren. Jedoch ist es – wenn auch in der 2. Woche der Provokation kein erhöhter Juckreizlevel beobachtet wird – unwahrscheinlich, dass noch eine Reaktion in der 3. oder 4. Woche zu beobachten ist. Diese Provokation wäre somit negativ und es besteht kein Verdacht auf eine Allergie auf das gefütterte „Provokations“-Futter.
Umweltallergie – Vermeidung ist keine Option
Zur Ermittlung von Allergie-auslösenden Umweltallergenen (Hausstaubmilben, Gräser und Pollen etc.) stehen zwei Optionen zur Verfügung:
- Der Intradermaltest (Hautallergietest) gilt weiterhin unter Dermatologen als „Goldstandard“. Dieser Test besteht aus Allergen-Injektionen in die Haut der Katze und Beobachtung der Reaktion (Quaddelbildung und Rötung, Abb. 3). Dieser Test muss in Sedation durchgeführt werden, und es braucht Erfahrung zur Interpretation der Reaktionen.
- Die Alternative, als „Silberstandard“, ist ein Blutallergietest auf Umweltallergene.
Am Ende bringt jedoch der beste Test der Welt nichts, wenn aus diesem keine therapeutische Konsequenz für die Katze gezogen wird.
Tipp:
Informiere die Besitzer:innen, dass eine Vermeidung von Umweltallergenen nicht sicher möglich ist.
Während die Vermeidung bei der Floh- und Futtermittelallergie das A und O darstellt, gibt es eine ursächliche Therapieoption der Umweltallergie selbst. Dabei handelt es sich um die „Allergen-spezifische Immuntherapie“ (ASIT) oder auch Desensibilisierung genannt.
Bei der Allergen-spezifischen Immuntherapie handelt es sich um eine lebenslange Therapie mit monatlichen subkutanen Injektionen. Bei Beendigung der Therapie nach erfolgreicher Reduktion der Allergiesymptome würden diese Symptome nach kurzer Zeit wieder zurückkommen.
Kurz und knapp
Ein gutes Ansprechen auf die hier genannten Maßnahmen zeigt sich durch weniger Juckreiz-Symptome. In der Folge sind kaum noch Behandlungen von Haut, Ohren oder Juckreiz nötig. Einen allergischen Patienten komplett juckreizfrei zu bekommen, ist ein sehr hoch gestecktes Ziel und kann für Besitzer:innen und Praxisteam frustrierend sein.
Ziel ist ein Juckreiz-Niveau, das die Lebensqualität der Katze nicht einschränkt. Wichtig ist, den Besitzer:innen zu vermitteln, dass es in Ordnung ist, dass sich eine allergische Katze häufiger als eine gesunde Katze kratzt. Die Abklärung von Allergien erfordert besonders bei Katzen viel Kommunikation mit den Besitzer:innen, Verständnis, Durchhaltevermögen und manchmal auch die Einsicht, dass nicht immer eine Diagnose möglich ist. Dann ist Flexibilität gefragt: Statt weiter zu suchen, wird ein angepasstes Langzeitmanagement entwickelt – auch ohne finale Diagnose.
Abb. 1-2 © Jasmin Hawwash, Abb. 3 © Aimara Bello Suarez-Kupka
Dr. Jasmin Hawwash
Tierärztin, Resident European College of Veterinary Dermatology (ECVD) Klinik für Kleintiere, Fachabteilung Dermatologie – Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
jasmin.hawwash@tiho-hannover.de