Die lange Geschichte der WDT
Von einer turbulenten Gründung und schnellem Anklang in der Branche über zukunftsverändernde Schicksalsschläge bis dahin, wo wir heute stehen. Erfahren Sie hier die bewegte Geschichte der WDT.
1904
Gründung der WDT durch Dr. Karl Marks in Posen
Die Gründung der WDT fiel in eine Zeit, in der es vielen Tierärzten wirtschaftlich schlecht ging. Im Jahr 1904 bestand noch die "Kurierfreiheit", welche es jedem erlaubte, unabhängig von seiner Ausbildung, medizinische Behandlungen durchzuführen. Tierärzte betrieben oft nebenbei eine Schmiede oder Deckstation, um ihre Existenz zu sichern. Es war aber auch eine Zeit, in der weitreichende medizinische Fortschritte, insbesondere in der Mikrobiologie, erzielt wurden. Sehr bedeutend für die Veterinärmedizin war die Entwicklung des ersten Antiserums gegen Rotlauf, einer damals gefürchteten Schweinekrankheit, die zu hohen wirtschaftlichen Verlusten führte. Um den steigenden Bedarf an Rotlaufserum zu decken, regte der „Verband Deutscher Schweinezüchter“ 1903 bei der Landwirtschaftskammer Posen die Gründung eines eigenen Seruminstituts an. Der zuständige Sachbearbeiter, Dr. Karl Marks, beschloss, dass ein solches Institut in tierärztlicher Hand liegen sollte. Geprägt durch die damals bereits bestehenden landwirtschaftlichen Genossenschaften, trieb er die Gründung einer tierärztlichen Genossenschaft voran. Am 16.10.1904 konnte Karl Marks auf der Generalversammlung des Tierärztlichen Provinzialvereins Posen die Mehrheit der anwesenden Mitglieder von seiner genossenschaftlichen Idee überzeugen: 54 der 58 anwesenden Kollegen traten für einen Geschäftsanteil von 50 Mark der „Produktiv- und Konsumgenossenschaft deutscher Tierärzte eGmbH“ bei, die sich zwei Jahre später in „Wirtschaftsgenossenschaft deutscher Tierärzte eGmbH (WDT)“ umbenannte.
1910
Umzug nach Berlin, Linkstraße 20, Potsdamer Bahnhof
Die WDT wuchs, sodass 1910 beschlossen wurde (bei einer Mitgliederzahl von 763), den Hauptsitz von Posen nach Berlin zu verlegen. Erstmals bestand auch der Aufsichtsrat aus Kollegen aus allen Teilen Deutschlands. Nur ein Jahr später erfolgte die Beteiligung an der Firma „Bengen & Co“ aus Hannover, welche schon seit 1890 „Extrakte, veterinärmedizinische Präparate sowie Drogen und Chemikalien“ herstellte.
1911
Beteiligung an der Firma Bengen & Co aus Hannover und am Seruminstitut Dr. Schreiber GmbH in Landsberg
Zur Bildung eines genossenschaftlichen Seruminstitutes kam es erst im Jahr 1911. Die WDT übernahm das „Bakteriologische und Seruminstitut Dr. Schreiber GmbH“ aus Landsberg a.d. Warthe (damals Preußen, heute Polen). Bis heute ist die WDT im Besitz eines Seruminstitutes, eines der wenigen in Europa, da trotz vieler Fortschritte im biotechnologischen Bereich immer noch Bedarf an lebensrettenden Seren für Mensch und Tier besteht.
25 Jahre nach Gründung waren rund 90 % aller praktizierenden Tierärzte Mitglied der WDT.
1912 und Erster Weltkrieg
Verlegung des Firmensitzes nach Hannover
Ende 1912 übernahm die WDT alle Anteile an der Firma „Bengen & Co“ und beschloss die Verlegung des Firmensitzes nach Hannover. Die Kriegsjahre 1914 – 1918 überstand die WDT im Großen und Ganzen unbeschadet, auch wenn Marks nach seiner Rückkehr von der Front leere Vorratskammern und 3.500 unerledigte Aufträge vorfand. Marks steckte alle noch vorhandenen Geldmittel in Rohstoffe und Maschinen. Nachdem beinahe über Nacht das Papiergeld nichts mehr wert war, zeigte sich, wie weise diese Entscheidung war. Auch die Genossen profitierten direkt, für manche waren die Geschäftsanteile das einzige Kapital, das sie noch besaßen.
1924
Gründung der Seropharm AG Danzig
1924 gründete Marks eine Tochtergesellschaft in Danzig, die Seropharm AG, ein Schritt, der durch die Abtretung der deutschen Ostgebiete im Zuge des Versailler Vertrages notwendig geworden war. Eine kurze Zeit später kam das Seruminstitut in Hohenstein, damals Ostpreußen, dazu.
1925
Produktion in Hannover, Dreyerstraße
Im Frühjahr 1925 erwarb die WDT eine ehemalige Margarinefabrik in der Innenstadt Hannovers. Der starke Mitgliederzuwachs und die damit verbundene Produktionssteigerung machten diese Erweiterung notwendig. 150 Mitarbeiter beschäftigte die WDT nun, darunter vier Reisevertreter, die durch ganz Deutschland fuhren. Mittlerweile belieferte die WDT ihre Mitglieder auch mit Lebensmitteln und anderen Dingen wie Zigarren, Wein, Zahnpasta und Kölnisch Wasser.
1930
Seit einigen Jahren gab es nun Vertreterversammlungen. 1930 gründeten die bayrischen Mitglieder eine „Interessensgemeinschaft bayrischer Genossen“ innerhalb der WDT. Verkaufsschlager war „Lachesis Bengen“, ein homöopathisches Mittel für Großtiere. Es wurde 1937 eine eigene homöopathische Abteilung eingerichtet, um den steigenden Bedarf zu decken. Im Landsberger Seruminstitut produzierte man mittlerweile über 40 verschiedene „Sera und Vakzine, Extrakte und Kulturen“. Wirtschaftlich betrachtet ging es der WDT in dieser Zeit gut.
1943/44
Zerstörung der Gebäude in Hannover
Im Oktober 1943 wurde die Produktionsstätte in Hannover bei einem Bombenangriff zu 90% zerstört. Trotz Rohstoffmangel und Ausbombung schaffte es die WDT, die Tierärzte weiter zu beliefern. Es wurden alternative Produktionsstätten in Hameln gefunden und ein kleiner Teil der Produktion konnte selbst in den Ruinen in Hannover wieder aufgenommen werden.
1944 wurde die Zweigstelle in Königsberg sowie das letzte unversehrte Produktionsgebäude in Hannover zerstört.
1945
Im Januar 1945 nahm die russische Armee Landsberg und damit das Seruminstitut ein. Alles brauchbare Inventar inklusive der Bibliothek und moderner Selbst-Tränke-Anlagen wurde demontiert und nach Russland verbracht. Auch die Seropharm AG in Danzig und das Seruminstitut Hohenstein mussten aufgegeben werden.
Alle ehemaligen Mitarbeiter der östlichen Betriebe, die überlebt hatten und es wünschten, wurden bei Bengen & Co in Hannover eingestellt. Nicht ohne Probleme.
So schrieb eine ehemalige Seropharm-Mitarbeiterin an ihren alten Chef Arthur Reinstorf: „Die Hannoveraner scheinen wohl zum größten Teil alle etwas eigenartige Menschen zu sein.“
1945–1960
Nach dem Krieg mangelte es nicht an Aufträgen, Problem war jedoch die Beschaffung der notwendigen Rohstoffe. Produziert wurde immer noch in den Ruinen in Hannover sowie bis 1949 zusätzlich in Hameln. Einige Impfseren wurden im Hygienischen Institut der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) hergestellt. Mittels Aufbauhilfe durch die Mitglieder sowie Verwendung der Jahresgewinne konnte ein neues Gebäude in Hannover aufgebaut werden. Damit auch die Seren- und Impfstoff-Produktion wieder aufgenommen werden konnte, wurde 1947 die Domäne Memsen im Kreis Nienburg/Weser gepachtet. Das im 17. Jahrhundert gegründete ehemalige Privatgestüt des Herzoges von Braunschweig-Lüneburg ist bis heute im Besitz der WDT und Produktionsstätte von Impfstoffen und equiner Seren. 1951 konnte den Mitgliedern erstmals seit Kriegsende wieder eine Dividende sowie eine Warenrückvergütung ausgeschüttet werden. Die WDT hatte nun 6.020 Mitglieder. Es wurden im Westen und Süden weitere Auslieferungslager geschaffen, um den Bedürfnissen der Tierärzteschaft nachzukommen.
1960–1980
Eine Gesetzesänderung im Jahr 1961, das neue Arzneimittelgesetzt, verbot es der WDT, Mitglieder direkt mit Pharmazeutika zu beliefern. Um dieses Problem zu umgehen, wurde die Pharmazeutische Handelsgesellschaft gegründet. Mit dem Lochkartensystem wurde 1965 bei der WDT die erste EDV eingeführt. Wenn neue Lochkarten, die damaligen Datenträger, angeliefert wurden, stand die Produktion still und alle Männer waren mit dem Abladen der schweren Lochkartenpakete beschäftigt. Zu der Zeit waren nahezu alle praktizierenden Tierärzte in der Bundesrepublik Genossen der WDT. 1972 wurde eine neue Produktionsstätte in Hildesheim eröffnet, wo Lohnaufträge z. B. für die Firma Albrecht ausgeführt wurden. In dieser Zeit besaß die WDT eine umfangreiche Tablettenproduktion und produzierte u.a. Arsen- und Johimbintabletten. Kassenschlager in der Zeit war das Pansenstimulans sowie ein blausäurehaltiges Euthanasiemittel für Hunde.
1980er Jahre
Produktion in Garbsen-Berenbostel
In den 80er Jahren wurden die meisten regionalen Auslieferungswerke sowie die Produktionsstätte in Hildesheim geschlossen. Die Produktion wurde nach Garbsen-Berenbostel, einem Vorort von Hannover und heutigem Firmensitz, verlegt. Die folgenden Jahre waren für die WDT wirtschaftlich schwierig. Die WDT verlor lukrative Lohnaufträge, ganze Chargen von Euterinjektoren mussten aufgrund einer Hefekontamination zurückgerufen werden, die großen Impfstoffe Multigal S und Polygal SV bekamen keine behördliche Freigabe und die Markteinführung eines von der TiHo entwickelten Hundediätfutters floppte aufgrund von Akzeptanzproblemen. Zudem kam mehr Konkurrenz im Arzneimittelmarkt auf.
1992
Umzug Verwaltung und Logistik nach Garbsen-Berenbostel
Anfang der 90er wurden auch die Verwaltung und Logistik aus der Innenstadt Hannovers nach Garbsen verlegt. Die Gebäude in Hannover waren in einem desolaten Zustand und der Umzug zwingend notwendig. Der Logistikumzug verlief nicht störungsfrei und um die Kunden überhaupt beliefern zu können, leisteten viele Mitarbeiter Überstunden und packten auch am Wochenende Pakete. In den 90er Jahren wurde das Angebot an Praxisbedarfsartikeln deutlich ausgebaut, nun konnte die WDT ihren Mitgliedern wieder ein Vollsortiment bieten.
1993
Großhandel mit Tierarzneimitteln
Ebenfalls in den 90er Jahren bekundete die Tierärzteschaft großes Interesse an einer Großhandelsstruktur für Tierarzneimittel. Nach anfänglicher Zurückhaltung der großen pharmazeutischen Firmen konnte die WDT 1993 Bayer als ersten Großhandelspartner gewinnen. Ebenfalls im Jahr 1993 führte die WDT als erstes Unternehmen der Branche Mehrwegboxen für den Versand ein. Die faltbaren roten Boxen fanden so großen Anklang bei der Tierärzteschaft, dass es viele nicht zurück nach Garbsen schafften. Daher musste das System nach einigen Jahren wieder eingestellt werden. 30 Jahre später führte die WDT erneut Umlaufboxen ein, diesmal mit Pfand- und Tracking-System. So erreichen die Boxen heute im Durchschnitt 50 Umläufe, bevor sie recycelt und zu neuen Boxen werden.
1996
Katalog erstmals auf CD-ROM
1996 brachte die WDT den ersten digitalen Katalog auf CD-ROM raus, in einer Zeit, in der noch nicht jede Tierarztpraxis mit einem PC ausgestattet war. Bestellungen konnten nun auch erstmals digital übertragen werden.
2000er Jahre
Das WDT-Bestellprogramm wurde kontinuierlich weiterentwickelt und 2003 die neuste Version als „catforDocs“ vorgestellt. Zehn Jahre nach Einführung folgte „CatforDocs Multi“. Nun war es erstmals möglich, über das WDT-Bestellprogramm auch bei anderen Herstellern zu bestellen. Die erste WDT-Website ging 1998 online. Auch hier war bereits in den frühen 2000ern ein Online-Shop integriert, der jedoch im Vergleich zu „catforDocs“ keine große Rolle spielte.
2015
2013 gründete die WDT „Dankedoc.de“, eine Bestellplattform für Tierhalter, die 2015 in Tierarzt24.de überging.
2018
Die Rolle eines Online-Shops änderte sich erst 2018 mit der Einführung des „Marktplatzes“, der heute führenden Bestellplattform für Veterinärbedarf.
2021
Nur wenige Kilometer vom Firmensitz in Garbsen entfernt, in Wunstorf, hat die WDT 2021 mit der VetLogOne GmbH das erste Logistikzentrum speziell für die Veterinärmedizin eröffnet und damit einen weiteren zukunftsweisenden Schritt getan.
2024
Jüngstes Projekt der WDT ist die cloudbasierte Praxissoftware vetat.work, die 2024 auf den Markt gekommen ist.
Werden Sie Teil der WDT-Zukunft
Die WDT blickt auf eine lange Geschichte zurück, die ohne ihre engagierten Mitarbeiter und Mitglieder nicht möglich gewesen wäre. Werden auch Sie Teil der WDT-Zukunft und profitieren Sie von einem zukunftssicheren Unternehmen an Ihrer Seite. Ob als Teil der WDT-Belegschaft oder als Tierarzt in der Genossenschaft.