Personen erstellen eine Röntgenaufnahme von einem Huf

Die Oxspring-Aufnahme

»Ann-Kathrin Deliga«

Vorbereitung und Durchführung der Röntgenaufnahme

Die Oxspring-Aufnahme stellt eine spezielle Aufnahme dar, die zur detaillierten Beurteilung der Hufstruktur und der damit verbundenen anatomischen Strukturen bei Pferden dient. Diese Technik ist besonders wichtig für die Diagnostik von Hufkrankheiten, einschließlich Hufabszessen, Frakturen und Knochenanomalien. Ann-Kathrin Deliga erklärt Euch, wie Ihr die Aufnahme vorbereiten und durchführen könnt. 

Anatomie des Hufes

Um die Röntgentechnik zu verstehen, ist es wichtig, sich mit der Anatomie des Hufes vertraut zu machen.

Der Huf besteht aus mehreren knöchernen Strukturen:  

  • dem Hufbein, das die Last des Pferdes trägt
  • dem Strahlbein, das als „Umlenkrolle“ für die tiefe Beugesehne dient
  • dem Kronbein

 

Die Hufkapsel besteht aus folgenden Strukturen:  

  • der Hufwand, die den Huf schützt
  • der Hufsohle, die eine zentrale Dämpfungsrolle spielt
  • dem Hufstrahl, dem weicheren Teil der Sohle

Die Röntgenaufnahme erfordert eine tierärztliche Untersuchung

Bei der Untersuchung bewerten Tierärzt: innen das Gangbild des Pferdes, prüfen auf vermehrte Durchblutung der Gefäße (sog. Pulsation) und durch Druck mit der Hufzange, ob eine Schmerzreaktion besteht. Außerdem werden Hufstellung und Zehenachse beurteilt. Je nach Bedarf können auch Leitungs- sowie Gelenkanästhesien durchgeführt und das Fortbestehen der Lahmheit anschließend überprüft werden.

Bereitet alles sorgfältig vor

Das Röntgengerät, Röntgensystem und alle notwendigen Hilfsmittel sollten sorgfältig vorbereitet werden. Zunächst ist es wichtig, das Röntgenmenü für das betreffende Pferd aufzurufen und sicherzustellen, dass der Detektor korrekt verbunden ist und ausreichend Akku hat. Für die Belichtung empfehle ich 62 kV und 3,2 mAs als Richtwert, wobei individuelle Anpassungen nötig sind.

Der spezielle „Oxspring“-Klotz, ein Keilklotz mit 60° Winkel und die Strahlenschutzkleidung sollten ebenfalls griffbereit sein, um einen sicheren und reibungslosen Ablauf der Untersuchung zu gewährleisten.

Auch der Patient muss vorbereitet werden

Für unruhige oder ängstliche Pferde sollte eine leichte Sedation in Betracht gezogen werden, da verwackelte Aufnahmen die Beurteilung beeinträchtigen und zur Wiederholung der Aufnahme führen können. 

Tipp: 
Aus Strahlenschutzgründen sollte dies unbedingt vermieden werden.

Die sorgfältige Vorbereitung des Hufes ist entscheidend für die Qualität der Aufnahme: 

  1. Zunächst müssen die Hufeisen entfernt werden, da sie Schatten und Artefakte erzeugen, die eine komplette Beurteilung der Hufstruktur erschweren. 
  2. Das Ausschneiden des Hufes, insbesondere der Strahlfurchen, ist wichtig, um Artefakte zu vermeiden (Abb. 1): Verunreinigungen oder überstehendes Horn können die Röntgenbilder negativ beeinflussen. 
  3. Eine gründliche Reinigung mit dem Hufauskratzer und einer kleinen Drahtbürste verbessert die Sicht auf die knöchernen Strukturen und die umliegenden Weichteile, was die Identifikation von Erkrankungen und Frakturen erleichtert.
  4. Nach dem Ausschneiden und der Reinigung wird eine röntgendichte Paste (z.B. Fassdichte, Abb. 2) gleichmäßig in die Strahlfurchen eingebracht, um die Bildqualität zu optimieren und Lufteinschlüsse zu vermeiden. Dabei ist es wichtig, dass die Paste eine glatte Oberfläche bildet und die richtige Menge (bei einem „normalen“ Warmbluthuf ca. eine tischtennisballgroße Kugel) verwendet wird.
Huf eines Pferdes mit Händen festgehalten
Abb. 1 | Huf ausgeschnitten, besonders wird auf die Strahlfurchen und den Strahl geachtet.
Huf eines Pferdes
Abb. 2 | Fassdichte in Strahlfurchen und Strahl – „größere“ Löcher können auch mit Fassdichte ausgestopft werden, um Röntgenartefakte zu vermeiden.

Anfertigung der Oxspring-Aufnahme

Die Huf 0° nach Oxspring ist eine dorsoproximal-palmarodistal-oblique Röntgenaufnahme. Für die Anfertigung benötigt Ihr idealerweise ein Team mit 3 Personen.

Das Team setzt sich folgendermaßen zusammen (Abb. 3):

  • eine Person, die das Pferd hält
  • eine Person, die das Bein und den Detektor positioniert
  • eine Person, die das Röntgengerät bedient

 

Das Pferd sollte in einer stabilen Position stehen. Der Oxspring-Klotz wird etwa 3–4 Huflängen vor dem zu röntgenden Bein platziert. Nach dem Anheben des Beines wird der Huf mit der Hufspitze in den Klotz gesetzt. Wenn der Huf korrekt positioniert ist, stellt Ihr den Detektor hinter den Oxspring-Klotz.

Tipp:
Achtet darauf, dass die Fassdichte dabei nicht herausgedrückt wird.

Das Fesselgelenk wird nach hinten gezogen, um die Hufsohle komplett an die „Oxspring-Klotz-Wand“ zu drücken. Richtet den Detektor nun senkrecht zum Keil aus. Der Zentralstrahl zielt mit einem ca. 0–5° Winkel nach unten und auf ca. 0,5–1 cm oberhalb des Kronrands (Abb. 4). Der Film-Fokus-Abstand beträgt 80 cm. Wie bei jeder Röntgenaufnahme ist das richtige Einblenden von großer Bedeutung.

Tipp:
Je mehr eingeblendet wird, desto geringer ist die Streustrahlung, was zu einer verbesserten Bildqualität führt.
 

Röntgengerät wird von Personen vor dem Pferd positioniert
Abb. 3 | Positionierung des Röntgenteams.
Personen erstellen eine Röntgenaufnahme von einem Huf
Abb. 4 | Positionierung der Röntgenröhre (Zentrierung, Abstand …).
Gut zu wissen

In unserer Klinik haben wir einen umfassenden Röntgen-Ordner erstellt, der alle Aufnahmen und Abläufe detailliert beschreibt. So können sich die Mitarbeiter: innen anhand der klaren Beschreibungen orientieren und sicherstellen, dass alle Schritte optimal umgesetzt werden. Trotz des Ordners sollten alle TFA gut eingearbeitet werden. Dies fördert nicht nur die Effizienz, sondern auch die Qualität der diagnostischen Leistungen.

Führt eine qualitative Bildkontrolle durch

Unmittelbar nach der Aufnahme solltet Ihr die Bildqualität überprüfen.

Das Ziel der Oxspring-Aufnahme ist:

  • die gesamte Hornkapsel bis zur Mitte des Fesselbeins darzustellen (Abb. 5) 
  • das Strahlbein in die untere Hälfte des Kronbeins zu projizieren (Abb. 6) 
  • den Hufgelenkspalt frei von Überlagerungen zu zeigen

 

Wichtige Fragen zur Bildbewertung sind: 

  • Ist der Kontrast ausreichend? 
  • Sind alle relevanten Strukturen gut sichtbar? 
  • Wurde die Aufnahme in einem geraden Winkel erstellt? 
  • Gibt es Röntgenartefakte? Wenn ja, könnte dies an unzureichendem Ausschneiden des Hufes, einer falschen Menge an Fassdichte oder möglicherweise an einem verbleibenden abgebrochenen Nagel im Huf liegen?

 

Gut ausgebildete TFA können eigenständig und nach vorheriger Absprache mit den zuständigen Tierärzt: innen entscheiden, ob weitere Röntgenaufnahmen in anderen Winkeln erforderlich sind. Beispielsweise, wenn sich eine Fraktur des Hufbeins zeigt und die TFA davon überzeugt ist, dass die Tierärzt: innen eine mediale oder laterale schräge Oxspring-Aufnahme wünschen würden, um weitere Informationen zu erhalten. Diese Fähigkeit zur eigenverantwortlichen Einschätzung trägt entscheidend zur Effizienz und Präzision der Diagnostik bei und nimmt den Tierärzt: innen Arbeit ab.

Röntgenaufnahme vom Huf eines Pferdes
Abb. 5 | Fertige Oxspring-Aufnahme: Alle Strukturen sind gut sichtbar, es gibt keine Überlagerungen.
Röntgenaufnahme vom Knöchel eines Pferdes
Abb. 6 | „Eingeblendete“ Oxspring-Aufnahme: Fokus auf das Strahlbein.

Kurz und knapp

Die Vorbereitung des Hufes spielt eine entscheidende Rolle für eine gelungene Oxspring-Aufnahme. Eine sorgfältige Vorbereitung ist das A und O, um die Qualität der Röntgenbilder zu gewährleisten. Ein erfahrenes und gut ausgebildetes Röntgenteam ist in der Lage, diese Aufnahme zügig und effizient durchzuführen. Durch standardisierte und strukturierte Abläufe wird der Klinikalltag für TFA und Tierärzt: innen erheblich erleichtert, was sich auch positiv auf die Zufriedenheit der Kund: innen auswirkt.

Alle Abbildungen © Ann-Kathrin Deliga

Portrait Frau Deliga
Autorin

Ann-Kathrin Deliga, TFA

Pferdeklinik Burg Müggenhausen GmbH

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