Gerätekunde – Augenuntersuchung
Vorbereitung zur Augenuntersuchung
Zunächst gilt es, die passenden Räumlichkeiten auszuwählen. Ein entscheidendes Kriterium sind hierbei die idealen Lichtverhältnisse. So sollte der Raum optimalerweise gut abgedunkelt werden können. Nur unter diesen Umständen weitet sich im besten Fall die Pupille des Pferdes, was eine genaue Untersuchung der vorderen Augenabschnitte und des Augenhintergrunds ermöglicht.
Vorbereitung von Hilfsmitteln
Einige Hilfsmittel sollten bei einer Augenuntersuchung immer griffbereit sein. Zu diesen zählen unter anderem weiche Taschentücher und eine Augenspüllösung. Meistens genügt eine 20 ml Spritze gefüllt mit Natriumchlorid, zum Beispiel zur Reinigung der Augenumgebung oder der Spülung des Tränen-Nasen-Kanals. Um sicherzustellen, dass die Kornea (Hornhaut) intakt ist, wird ein Fluorescein-Test benötigt. Bei diesem bleibt der Farbstoff, der nach dem Aufbringen auf die Hornhaut wieder ausgespült werden muss, an den defekten Bereichen der Kornea haften. Außerdem sollten Wattestäbchen, um einen eventuellen Fremdkörper oder lose Kornea zu entfernen sowie ein Lokalanästhetikum für die Hornhaut oder die Augenumgebung vorhanden sein.
Zur detaillierten Untersuchung des Augenhintergrunds ist es wichtig, ein Mydriatikum bereitzustellen. Es stellt die Pupille weit und ermöglicht so einen Einblick in den hinteren Augenabschnitt. Zur genaueren Diagnostik macht es Sinn, einen Schirmer-Tränen-Test zur Messung der Menge an Tränenflüssigkeit im Auge und einen Abstrichtupfer mit Medium für eine bakteriologische Untersuchung bereitzulegen.
Vorbereitung der Instrumente
Zur Augenuntersuchung können zahlreiche Instrumente bei der Diagnosestellung hilfreich sein.
Tipp:
Obwohl nicht immer jedes einzelne Instrument angewandt wird, sollten sie schnell verfügbar sein.
Zu den am häufigsten angewandten Instrumenten gehören:
- Ophthalmoskop/Lichtquelle
- Lupenbrille
- Desmarres Lidhalter
- Anatomische Pinzette/Nickhautpinzette
- Katheter zur Spülung des
- Tränen-Nasen-Kanals
- Spaltlampe/Biomikroskop
- Tonometer
- Sonografiegerät
Gut zu wissen
Für den allgemeinen Ablauf ist es gut zu wissen, dass die meisten Tierärzt: innen die Strukturen des Auges von außen nach innen untersuchen.
Ophthalmoskop/Lichtquelle
Eine Lichtquelle ist bei der Augenuntersuchung essenziell. So werden diverse Veränderungen am und im Auge schon beim ersten Blick mit dem Ophthalmoskop sichtbar (Abb. 1). Eine Reaktion des Pferdes beim Einstrahlen mit der Lichtquelle in das Auge kann zum Beispiel schon Aufschluss über die Sehfähigkeit des Pferdes geben. Ebenso verschafft ein Ophthalmoskop den Tierärzt: innen Einblick in den hinteren Augenabschnitt und gibt somit einen ersten Hinweis auf Veränderungen an der Netzhaut.
Lupenbrille
Diese Art von Brille (Abb. 2) schafft eine starke Vergrößerung der sichtbaren Strukturen. Sie bietet den Tierärzt: innen die Möglichkeit, auch sehr kleine Veränderungen wie Fremdkörper zu sehen und aus dem Auge entfernen zu können. Ebenso eignen sich Lupenbrillen gegebenenfalls mit einer integrierten Lichtquelle gut für kleinere Operationen am Auge (Abb. 2).
Desmarres Lidhalter
Der Desmarres Lidhalter macht es den Tierärzt: innen durch die Ektropionierung (Auswärtsdrehung) der Lider möglich, die Strukturen unter dem Ober- bzw. Unterlid genauer zu beurteilen (Abb. 3). Auch die Konjunktiven sind durch diese Untersuchung besser einsehbar. Durch das nach dorsal bewegen des Oberlids ist er zudem ein praktisches Hilfsmittel zum Setzen einer subkonjunktivalen Injektion.
Anatomische Pinzette/Nickhautpinzette
Die anatomische Pinzette hilft bei der Untersuchung, die von der Nickhaut im nasalen Augenwinkel verdeckten Bereiche freizulegen, um auch diesen Teil der Kornea und Konjunktiva untersuchen zu können (Abb. 3).
Katheter zur Spülung des Tränen-nasen-kanals
Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten der Spülung. Zum einen ist es möglich, den Kanal vom nasalen Augenwinkel aus zu spülen. Hierbei treten Sekret und Spüllösung aus der Nüster aus. Dies ist gut mit einem Katzenkatheter mit Stilett (Abb. 4) durchführbar. Zum anderen ist die Spülung von der Nüster aus möglich. Hierbei tritt Spüllösung aus dem nasalen Augenwinkel aus, wobei es aussieht, als würde das Pferd „weinen“. Bei dieser Art der Durchführung ist ein längerer Katheter besser geeignet, da trotz Sedation nicht jedes Pferd diese Manipulation in der Nüster gut toleriert (Abb. 4).
Spaltlampe/Biomikroskop
Eine Spaltlampe dient der genauen Untersuchung der vorderen Augenabschnitte. So können die Kornea, die vordere Augenkammer und die Linse mit einer 10- bis 15-fachen Vergrößerung mit abgewinkelter Lichtquelle und unterschiedlichen Lichtintensitäten detailliert untersucht werden, um kleinste Veränderungen zu erkennen (Abb. 5).
Tonometer
Ein Tonometer misst den Augeninnendruck. Diese Untersuchung erfolgt meistens auf der anästhesierten Kornea. Im Menü des jeweiligen Gerätes kann vor der Nutzung die richtige Tierart ausgewählt werden (Abb. 6).
Sonografiegerät
Durch einen Ultraschall über das geschlossene Augenlid verschaffen sich die Tierärzt: innen mit einem Querschnitt eine Übersicht des gesamten Augapfels. Hier können sowohl die vorderen als auch die hinteren Augenabschnitte beurteilt und vermessen werden. Im besonderen Maße können die Tierärzt: innen hier die Linse sowie den Glaskörperraum und die Netzhaut betrachten. Besonders bei Patienten mit einer trüben Kornea oder einer Miosis (Engstellung der Pupille) ermöglicht der Ultraschall die Beurteilung der dahinter liegenden Gewebe. Zudem können sowohl Tumore als auch Zysten im Auge lokalisiert und ausgemessen werden.
Kurz und knapp
Nicht bei jeder Augenuntersuchung kommt jedes Instrument zum Einsatz. In vielen Fällen gibt der Vorbericht des einzelnen Patienten einige Hinweise darauf, welche Hilfsmittel griffbereit sein sollten. Eine gute Vorbereitung und Kenntnis über die einzelnen Instrumente helfen immer dabei, den Ablauf für das gesamte Team einschließlich des Patienten zu vereinfachen.
Alle Abbildungen © Nina Rüther
Nina Rüther, TFA
Tierärztliches Kompetenzzentrum Karthaus GmbH, Ophthalmologie
Dr. Lieke Buijs, Tierärztin
Tierärztliches Kompetenzzentrum Karthaus GmbH, Ophthalmologie