Zwei Personen untersuchen Hund

Medical Training

»Astrid Schubert«

Neuer Hype oder längst überfällige Notwendigkeit?

Etwa 20 % der Bevölkerung sind Zahnarzt-Phobiker und 5 % vermeiden den Zahnarztbesuch völlig. Wie muss es dann einem Tier gehen, dass den Sinn der Behandlung nicht versteht und dessen Kommunikationsversuche in der Sprechstunde zu oft ignoriert werden?

In unserer verhaltenstherapeutischen Tierarztpraxis gehört Medical Training zu den Therapiemethoden für Hunde und Katzen, die aufgrund ihrer Angst vor dem Tierarzt schwer zu untersuchen und zu behandeln sind. Oft sind traumatische Erfahrungen oder mangelnde Sozialisierung für diese Form der Verhaltensstörung verantwortlich.

Tipp:   
Verbessere als spezialisierte Coaching-TFA den Praxisalltag für Deine Patienten.

Woraus besteht gutes Medical Training?

Das Medical Training baut Ängste vor der tierärztlichen Behandlung ab oder lässt sie gar nicht erst entstehen. Mithilfe von sog. Marker-Signalen lernen die Tiere voll Vertrauen zu kooperieren (Abb. 1). Diese verstärken unter anderem durch eine erhöhte Dopaminausschüttung den Lerneffekt. Diese ist mit der zeitlichen Verzögerung zwischen dem Marker-Signal (z.B. Klicker-Training) und der Belohnung begründet. Was Tiger und Elefant im Zoo können, ist für unsere Haustiere genauso trainierbar.

Von zentraler Bedeutung während des Trainings ist, dass das Tier ein Mitspracherecht hat. Diese Mitbestimmung führt zu dem Vertrauen, welches in einer entspannten Behandlung mündet (Abb. 2). Eine ausgebildete Coaching-TFA ist das perfekte Bindeglied. In jeder Tierarztpraxis kann sie Tierhalter: innen und Patienten eine große Stütze sein.

Tipp:   
Dieses Spezial-Training sollte nicht den Hundeschulen zugewiesen werden, sondern vor Ort und mit dem Personal stattfinden, welches auch später untersucht bzw. assistiert.

Das Kennenlernen des Teams, der Räumlichkeiten und Gerätschaften schafft Vertrauen – und letzten Endes auch Kundenbindung.

Grafik über positive Erfahrung
Abb. 1 | Schaffe Dir eine Vertrauensbasis durch Wiederholung einzelner Untersuchungsschritte, und erarbeite Dir so die Kooperation des Tieres. © Astrid Schubert
Eine Person lenkt Hund ab, die andere untersucht parallel
Abb. 2 | Ziel ist eine entspannte Behandlung – ein Leben lang. © Diane von Hohnhorst

Medical Training mit Welpen und Kitten – weil „erklären“ beim Tier nicht geht

Für ein gutes Medical Training brauchen wir zwei Zutaten:
1. Das realistische Praxisambiente, inklusive der typischen Gerüche einer Tierarztpraxis.
2. Eine Fachkraft, die sowohl das medizinische Handling als auch das Spezialwissen über Welpen- und Kittenentwicklung und Medical Training beherrscht.

Nach einer zertifizierten Coaching-Ausbildung (Abb. 3) bietet die spezialisierte TFA in ihrer Praxis Kurse beispielsweise in Form einer „Puppy-Party“ an. Im Welpentreff in der Praxis werden die Welpen nicht nur an die Räumlichkeiten, sondern gezielt an die Abläufe bei der Untersuchung (Abb. 4) und Behandlung gewöhnt. Die Schulung der Tierhalter: innen spielt dabei eine wichtige Rolle. Über das Bewusstsein der Stressfaktoren und Trainingstechniken können die Besitzer: innen bereits in vielen Situationen eigenständig deeskalieren, bevor der kritische Punkt überschritten wird.

Ausbildung zur Coaching-TFA

Die amerikanische Organisation „Fear Free“ setzt sich für eine stressfreie Untersuchung und Behandlung von Haustieren in Tierarztpraxen ein. Durch den Einsatz moderner Trainingsmethoden oder verbessertes Verständnis kommt es in den Praxen mit dem entsprechenden Zertifikat nachweislich zu weniger Bissverletzungen beim Personal. Der Praxisalltag ist deutlich entspannter.

Infos über eine zertifizierte Ausbildung zur Coaching-TFA finden Sie hier
 

Kitten-Training – ein Praxisalltag ohne die „CAVE-Katze“ ist möglich

Für Welpen, aber besonders für kleine Kätzchen bieten sich Online-Kurse für das Erlernen der Trainingstechnik und der ersten Untersuchungsschritte an. Das Training von Transportbox und Autofahrten wird ebenfalls besprochen. „Cave-Katzen“ (Abb. 5) und panische Hunde bedeuten für das gesamte Personal einer Praxis Stress.

Tipp:   
Bereits eine einzelne geschulte Kraft macht einen großen Unterschied im Praxisablauf.

Das ganze Team profitiert von einem besseren Verständnis über das Verhalten der Tiere und die Umsetzung neuer Techniken in das alltägliche Handling.

Ärztin hält eine Katze im Arm
Abb. 3 | Mit gutem Training gibt es keinen Grund mehr für Panik und Stress. © Diane von Hohnhorst

Kurz und Knapp

Die Tierarztpraxis der Zukunft sollte ein Ort sein, an dem nicht nur für das physische Wohl gesorgt wird. Auch die Psyche unserer Patienten – und damit letztlich die Stimmung unseres Arbeitsalltags – spielt eine zentrale Rolle. Da viele TFA diesen Beruf aus reiner Tierliebe wählen, finden sie in der Spezialisierung als Coaching-TFA eine große Freude.

Portrait Frau Schubert
Autorin

Dr. Astrid Schubert

Tierärztin für Verhaltenstherapie SIRIUS Behaviour Vets©, München
kontakt@verhaltenstherapie-tier.de
www.verhaltenstherapie-tier.de und 
www.hundeschule-muenchen.info
Instagram: tierarzt_muenchen

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