Toxisch – Mutterkorn

»Jennifer Nehls«

Mutterkorn ist ein Schlauchpilz. Während der Blüte fallen gelbliche Tropfen an den Blütenständen auf. Mit zunehmender Reife des Getreides entstehen etwa 1–4 cm lange, hornartig gekrümmte, blau- oder schwarzviolette Auswüchse (Dauermycelen). Diese sind deutlich größer als das Getreidekorn.

Steckbrief

Toxin: 
unterschiedliche Mutterkornalkaloide, z.B.:

  • Ergometrin
  • Ergotoxin
  • Ergotamin

 

Toxische Pflanzenteile:
Mutterkorn befällt die Ähren von Gräsern und Getreidearten.

Vorkommen:

  • Schlauchpilze schmarotzen auf über 300 unterschiedlichen Gräsern und Getreidearten
    • häufig betroffen sind Roggen und Triticale
    • Weizen, Gerste und Hafer seltener
  • vermehrtes Auftreten in Jahren mit feuchtem, kühlen Wetter während der Gräserblüte
  • Intoxikation heute aufgrund der verbesserten Saatgutreinigung nur noch selten

Mögliche Symptome:

  • Apathie
  • reduzierte Futteraufnahme bis hin zur vollständigen Verweigerung
  • Hyperthermie
  • erhöhte Atem- und Pulsfrequenz
  • Lahmheiten und Ausschuhen der Klauen
  • länger andauernde Durchblutungsstörungen, die zu Nekrosen und zum Gangrän von Ohren, distalen Extremitäten und Schwanzspitze führen
  • Fruchtbarkeit und Laktation

    • Gebärmutterentzündung und -ausfluss
    • häufiges Umrauschen
    • Dauersterilität 
    • verkürzte Trächtigkeitsdauer
    • Milchmangel: mangelhafte Anbildung des Gesäuges mit leeren, schlaffen Gesäugekomplexen und fehlender Milchsekretion 

     

  • Ferkel: 
    • kleine Wurfgrößen und Totgeburten
    • unterentwickelte, lebensschwache Ferkel
    • erhöhte Krankheitsanfälligkeit, v.a. gegenüber Durchfällen mit Colikeimen, Polyarthritis, Hypoglykämie und Hypothermie infolge des Milchmangels
    • „Ferkelzittern“
    • Saugunlust mit nachfolgender Schwäche, Abmagerung und Todesfällen
       

Eintritt der ersten Symptome:

je nach aufgenommener Dosis:

  • Tage 
  • Wochen

Maßnahmen:

  • Wechsel auf unbedenkliches Futter 
  • Toxinnachweis
    • mehrere Futterproben auf makro- und/oder mikroskopisch sichtbare Dauermycelen untersuchen
    • chemischer Nachweis im Labor
  • differenzialdiagnostische Abklärung
  • gangränose Hautveränderungen 
    • Reinigung, Desinfektion und abdeckende Salben auftragen
    • Sekundärinfektionen durch Breitbandantibiotikum prophylaktisch entgegenwirken
  • Ferkel mit Ersatzmilch tränken

Prognose:

  • Sauen: 
    • bei Futterwechsel gut
    • die Milchproduktion setzt innerhalb von 3 – 7 Tagen wieder ein
      gangränose Hautveränderungen verschwinden innerhalb von 2 Wochen
  • Ferkel:
    • Kümmerer
    • Folgekrankheit: Durchfall
    • Todesfälle
Portrait Frau Nehls
Autorin

Dr. Jennifer Nehls

Pressebüro für Human- und Tiergesundheit
tfa@drjennifernehls.de

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