Augenpatient Pferd
Die Equine rezidivierende Uveitis (ERU, übersetzt wiederkehrende Augeninnenentzündung beim Pferd) ist auch unter dem Namen „Periodische Augenentzündung“ bekannt. Bei dieser schmerzhaften Entzündung des Augeninneren ist die Uvea (bestehend aus Iris, Ziliarkörper und Aderhaut, Abb. 1) betroffen. Bleibt die Krankheit unerkannt oder wird nicht ausreichend therapiert, können bleibende Schäden an dem betroffenen Auge entstehen. Diese Schäden werden dann durch die rezidivierenden Entzündungsschübe noch verschlechtert. Am Ende steht der Verlust der Sehfähigkeit oder sogar des Auges, wenn dieses aufgrund der schmerzhaften Entzündung im schlimmsten Fall entfernt werden muss.
Gut zu wissen
Die Equine rezidivierende Uveitis kommt bei Pferden aller Rassen und in einem Alter zwischen 6 Monaten und 20 Jahren oder älter vor. Bei ungefähr einem Drittel der Pferde sind sogar beide Augen betroffen.
Symptome und Befunde der akuten Uveitis
In vielen Fällen können die Sehfähigkeit und das Auge erhalten werden. Dafür ist eine schnelle und exakte Diagnose unumgänglich. Bei den meisten Pferden zeigt sich eine Uveitis mit typischen Symptomen (sog. typische Verlaufsform). Die Symptome kommen in unterschiedlichen Kombinationen vor, nicht immer sind alle Symptome sichtbar oder gleich stark ausgeprägt.
Folgende Symptome und Befunde am Auge sind bei einer akuten Uveitis sichtbar:
- von außen sichtbar:
- geschwollene Lider
- Abwehrtrias (Abb. 2): Blepharospasmus (schmerzhaftes Zukneifen
- der Augenlider), Epiphora (Tränenfluss), Photophobie (Lichtscheue)
- bei Untersuchung sichtbar (Abb. 3–5):
- geschwollene, gerötete Konjunktiven
- matte, trübe Hornhaut sowie kurze Gefäße zirkulär am Limbus (Übergangvon der Hornhaut zur Lederhaut)
- Hypopyon (Entzündungsprodukte, meistens Fibrin) und/oder Hyphaema (Blut) in der vorderen Augenkammer
- Miosis (Engstellung der Pupille) ist ein sehr wichtiger Befund, da bei Miosis sicher eine Uveitis vorliegt
- trüber Glaskörper und aufgrund dessen kaum zu beurteilender Augenhintergrund, gelb verfärbter Pupillenreflex
Tipp:
Berichten die Besitzer: innen von geschwollenen Augenlidern, Tränenfluss und einem zugekniffenen Auge des Pferdes, solltest Du kurzfristig einen Termin für die Augenuntersuchung vereinbaren.
Tritt eine akute Uveitis an dem gleichen Auge mindestens zweimal mit typischen Symptomen auf, gilt die Diagnose Equine rezidivierende Uveitis als gesichert.
Gut zu wissen
Neben der typischen Verlaufsform gibt es eine atypische Verlaufsform. Diese wird auch „Tigerschecken-Uveitis“ genannt, da sie fast ausschließlich bei Pferden mit der typischen Fellfarbe auftritt. Betroffen sind hier vor allem die Rassen Appaloosa und Knabstrupper, aber auch andere wie Kaltblut und Ponyrassen. Diese Form der Uveitis ist schwieriger zu erkennen, da die Symptome oft weniger deutlich ausgeprägt sind. Hier kann die Tigerscheckung also bereits einen wichtigen Hinweis zur Diagnose liefern.
Therapie der akuten Uveitis
Zu den Grundlagen der Therapie einer akuten Augeninnenentzündung zählen:
- Schmerzreduktion
- Entzündungsbekämpfung
- das Verhindern weiterer Schäden
Bei der optimalen Therapie wird dafür eine Kombination aus systemischen Schmerzmitteln und der lokalen Applikation von Augensalbe/-tropfen verwendet. Zum einen ist die Gabe von Atropin sehr wichtig, um die Pupille weitzustellen und Schäden an der vorderen Linsenkapsel zu vermeiden. Zum anderen ist eine intensive Behandlung mit kortisonhaltiger Augensalbe notwendig, um die Entzündung der betroffenen Augengewebe zu bekämpfen.
Tipp:
Nina Rüther hat in einer Step-by-Step-Anleitung beschrieben, wie man eine Augensalbe richtig verabreicht. Hier gehts zum Beitrag.
Folgen der Equinen rezidivierenden Uveitis
Die richtige Therapie ist entscheidend, um weitere Schäden am Auge zu verhindern oder zu minimieren. Trotz einer solchen Therapie und vor allem bei einer unerkannten Uveitis können als Folge der Entzündung Veränderungen am Auge beobachtet werden. Leider sind die unten beschriebenen chronischen Veränderungen nicht mehr reversibel und können sich bei jedem weiteren Schub noch verschlechtern.
Chronische Veränderungen:
- Hornhauttrübung mit Auflagerungen auf dem Endothel (innerste Schicht der Hornhaut)
- hintere Synechie (Verklebung der Iris mit der vorderen Linsenkapsel)
- Katarakt (Linsentrübung) der vorderen Linsenkapsel mit oder ohne Irisresiduuen (Pigmentreste der Iris, die durch eine zeitweise hintere Synechie entstanden sind, Abb. 6 und Abb. 7)
- Katarakt (Linsentrübung) der hinteren Linsenkapsel
- Ablatio retinae (Netzhautablösung) bedingt eine nicht reversible Erblindung des Auges
- Glaukom (Erhöhung des Augeninnendrucks, Abb. 8)
- Phthisis bulbi (Schrumpfung des Augapfels, Abb. 9)
Therapie der Equinen rezidivierenden Uveitis
Treten die Entzündungen wiederholt auf, ist eine Spülung des Glaskörpers (Vitrektomie) die beste Möglichkeit, um eine dauerhafte Schmerz- und Entzündungsfreiheit bei Erhalt der Sehfähigkeit des Auges zu erreichen. Ist ein Auge bereits erblindet und zeigt weiterhin schmerzhafte Uveitisschübe, ist eine Entfernung des Auges indiziert.
Kurz und knapp
Die Equine rezidivierende Uveitis kommt beim Pferd häufig vor und führt aufgrund der wiederkehrenden Entzündungsschübe zum Verlust der Sehfähigkeit und des Auges. Bei schneller Diagnose und richtiger Therapie mit anschließender Vitrektomie kann das in vielen Fällen vermieden werden. Dafür ist das Erkennen der Symptome und die richtige Therapie notwendig. Dieser Beitrag soll eine kleine Hilfe bieten, typische Veränderungen bei der Uveitis des Pferdes besser zu verstehen und zu erkennen.
Alle Abbildungen © Lieke Buijs
Dr. Lieke Buijs, Tierärztin
Tierärztliches Kompetenzzentrum Karthaus GmbH, Ophthalmologie