Euthanasie
Ein standardisiertes Vorgehen vermittelt Sicherheit
Ein festgelegtes Standardvorgehen kann Euch dabei helfen, den Abschiedsprozess professionell zu begleiten. Deshalb rate ich Euch dazu, gemeinsam im Team einen 5-Schritte-Plan zu erstellen, der Euch Sicherheit vermittelt, aber auch die Möglichkeit bietet, spontan auf die Bedürfnisse der Kund:innen zu reagieren.
5-Schritte-Plan:
- Beratung und Entscheidungsfindung
- Planung von sensiblen Terminen
- Räumlichkeiten vorbereiten
- Vorbereitung und Verabreichung des Medikaments
- abschließende Betreuung der Kund:innen
Tipp:
Wichtig dabei ist, dass die Euthanasie trotzdem nicht wie ein Arbeitsprozess auf die Kund:innen wirkt, sondern wie eine liebevolle Zeremonie.
Beratung und Entscheidungsfindung
Die medizinische Einschätzung des Krankheitszustands liegt immer bei den behandelnden Tierärzt:innen. Der richtige Zeitpunkt, um ein Tier zu erlösen, sollte aber gemeinsam mit den Besitzer:innen gefunden werden. Dabei bedarf es häufig mehrerer Gespräche. Die Aufklärung über das konkrete Vorgehen gehört unbedingt dazu, damit die Besitzer:innen wissen, welche Schritte während der Euthanasie im Einzelnen durchgeführt werden.
Tipp:
Klärt möglichst vorurteilsfrei im Vorfeld, ob die Tierhalter:innen bei der Injektion und während des Sterbeprozesses bei ihrem Tier bleiben möchten (Abb. 1).
Planung von sensiblen Terminen
Ist eine Euthanasie planbar, so legt Ihr den Termin am besten an den Anfang oder an das Ende der Sprechstunde, wenn es ruhiger zugeht. Besprecht gemeinsam, ob dafür Hausbesuche möglich sind und wenn ja, in welchen Fällen bzw. zu welchen Zeiten.
Räumlichkeiten vorbereiten
Im Idealfall gibt es bei Euch einen Raum, der ruhig gelegen und gemütlich gestaltet ist, mit bequemen Sitzmöglichkeiten, gedämpftem Licht und einer Taschentuchbox.
Tipp:
Ein Schild mit der Aufschrift "Bitte nicht stören" an der Tür wäre von Vorteil.
Um die Atmosphäre ruhiger zu gestalten und Wartende darauf hinzuweisen, dass gerade ein Tier eingeschläfert wird, hat sich das Anzünden einer Abschiedskerze am Tresen etabliert (Abb. 2).
Vorbereitung und Verabreichung des Medikaments
Bereitet Eure Arbeitsmittel gut vor, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.
Erstellt Euch am besten auch dafür eine Checkliste:
- Schermaschine
- Venenkatheter
- Stauschlauch
- Spritzen
- Kanülen
- Narkosemittel
- saugfeste Unterlagen
- Decke
Abschließende Betreuung der Kund:innen
Manche Menschen haben Hemmungen, vor Fremden zu weinen. Fragt deshalb die Besitzer:innen, ob Ihr Euch zurückziehen sollt. Gebt Ihnen nach der Feststellung des Todes durch die Tierärzt:innen ausreichend Zeit, um sich von ihrem geliebten Haustier zu verabschieden. Bleibt während dieser Phase aber unbedingt in Rufweite und schaut in regelmäßigen Abständen nach. Wurde im Vorfeld noch keine Entscheidung getroffen, habt Ihr nun die Gelegenheit zu erfragen, was mit dem Tierkörper geschehen soll: Beerdigung zu Hause, fachgerechte Entsorgung oder Kremierung? Erläutert den Kund:innen die Möglichkeiten und die zu erwartenden Kosten, um ihnen die Entscheidung so leicht wie möglich zu machen.
Tipp:
Wenn die Besitzer:innen dann soweit sind, das Tier in Eure Hände zu geben, könnt Ihr es behutsam in eine Decke einschlagen und aus dem Raum tragen oder auf einer Liege hinausfahren.
Um unschöne Missgeschicke zu vermeiden, sollte bei größeren Hunden der Abtransport erst erfolgen, wenn die Kund:innen den Raum bereits verlassen haben. Auch das Verpacken in einen Plastiksack gehört hinter die Kulissen und sollte niemals vor den Augen der Kund:innen geschehen.
Kurz und knapp
Eine gut vorbereitete Euthanasie sollte immer wie eine liebevolle Zeremonie wirken, nicht wie ein standardisierter Arbeitsprozess. So behalten die Besitzer:innen die Euthanasie ihres geliebten Vierbeiners als würdevoll in Erinnerung.