Ein kleiner Stich, Ein großes Problem

Meist sind die eingedrungenen Gegenstände verschmutzt oder rostig und führen zu einer Entzündung tief im Inneren des Hufes. Um dies zu vermeiden, ist eine kompetente Erstversorgung durch die Besitzer:innen und eine anschließende tierärztliche Behandlung von großer Wichtigkeit. Ein Nageltritt sollte immer als Notfall betrachtet werden. Unsere Autoren erklären, welche Strukturen verletzt werden können und welches Vorgehen indiziert ist.

Was versteht man unter Nageltritt?

Wenn ein Nagel (oder ein beliebiger spitzer Gegenstand) den Huf bzw. die Hufsohle penetriert, spricht man vom „Nageltritt“. Oft sind die entstehenden Wunden äußerlich unscheinbar und kaum zu erkennen. Doch in der Hornkapsel befinden sich viele sensible Strukturen (Abb. 1):

  • Hufgelenk & Hufrollenschleimbeutel (sog. synoviale Strukturen)
  • Hufbein
  • Strahlbein
  • tiefe Beugesehne
  • weitere Bandstrukturen

 

Diese liegen nah beieinander und können, je nach Penetrationswinkel des Nagels, verletzt werden. Daher kann es durch nicht fachgerechte Versorgung zur lebensbedrohlichen Infektion dieser Strukturen kommen.

Welche Leitsymptome treten auf?

Zu den typischen Symptomen eines Nageltritts zählen:

  • akuter Schmerz im Moment der Penetration
  • plötzlich auftretende gering- bis hochgradige Lahmheit in der Fußungsphase
  • Wärme, besonders im Bereich des Hufes und vermehrte Pulsation der Zehenarterien nach wenigen Stunden
  • gestörtes Allgemeinbefinden, Fieber und anhaltende schlechte Belastung bei fortschreitender Infektion

 

Tipp:
Bei jeder plötzlichen Lahmheit sollte der Huf immer gereinigt und tierärztlich genau untersucht werden. Empfehle den Besitzer:innen, den Nagel im Huf zu belassen und ein tieferes Eindringen zu vermeiden.

Was tun, wenn mein Pferd einen Nageltritt hat?

Erstversorgung vor Ort. Das Pferd zeigt plötzlich eine hochgradige Lahmheit, und ein Nagel steckt in der Hufsohle. Der Fremdkörper sollte, wenn möglich nicht entfernt werden, gleichzeitig muss aber ein tieferes Eindringen in den Huf unbedingt verhindert werden.

Tipp:
Rate den Besitzer:innen nach Möglichkeit einen Hufverband anzulegen und das Pferd ruhig in einer gut eingestreuten Box stehen zu lassen.

Der Vorteil, den Nagel im Huf zu belassen, liegt darin, dass die Tierärzt:innen direkt anhand eines Röntgenbilds das Ausmaß der verletzten Strukturen erkennen können. Das erleichtert die Entscheidung, ob das Pferd in die Klinik überwiesen werden muss oder die Behandlung im Stall erfolgen kann. Der Penetrationswinkel des Nagels im Inneren des Hufes lässt sich von außen nämlich meist nicht erkennen. Im Anschluss wird der Fremdkörper fachgerecht aus dem Huf entfernt. War der Fremdkörper kurz und ist keine Beteiligung sensibler Strukturen zu erwarten, können die Tierärzt:innen das Hufhorn um die Einstichstelle trichterförmig ausschneiden, den Defekt desinfizieren und einen Hufverband anlegen. Die Belastung der Gliedmaße muss im Anschluss konsequent überwacht werden.

Wird der Nagel doch durch die Besitzer:innen herausgezogen, ist entscheidend, dass die Einstichstelle markiert und die Stichkanalrichtung notiert wird (Foto/Video), denn die Einstichstelle schließt sich schnell und ist dann nur schwer wiederzufinden. Die Eintrittsstelle sollte gereinigt und die tierärztliche Praxis oder Klinik umgehend informiert werden.

Bei einem Nageltritt gilt es:

  • Ruhe zu bewahren
  • den Fremdkörper nicht zu entfernen, aber ein tieferes Eindringen unbedingt zu vermeiden
  • sofort die tierärztliche Praxis oder Klinik zu informieren, es handelt sich immer um einen Notfall
Gut zu wissen

Tetanus ist ein tückischer Feind. Bei jeder Verletzung und auch besonders beim Nageltritt ist es wichtig zu überprüfen, ob ein ausreichender Tetanus-Impfschutz vorliegt. Im anaeroben Klima einer Nageltrittverletzung wachsen Bakterien – insbesondere das Clostridium tetani – besonders gerne. Eine Tetanusinfektion (Wundstarrkrampf) ist lebensbedrohlich für das Pferd. Besteht kein ausreichender Impfschutz, muss ein Tetanus-Serum verabreicht werden.

Komplizierter? – Manchmal muss die Klinik sein

Leider kann ein längerer Fremdkörper oder eine ungünstige Penetrationsstelle zu Komplikationen führen, wodurch ein Klinikaufenthalt unerlässlich wird. Besteht der Verdacht, dass Strukturen wie das Hufbein, Hufgelenk, Strahlbein, die Beugesehnen und/oder der Hufrollenschleimbeutel betroffen sind (Abb. 2), ist eine genauere Untersuchung essenziell und eine chirurgische Intervention gegebenenfalls notwendig.

In der Klinik wird der Huf zunächst ausgeschnitten und eingehend untersucht. Es folgt eine radiologische Untersuchung in mindestens 2 Ebenen (Abb. 3), um darzustellen, wie der Nagel in den Huf eingedrungen ist und welche Strukturen verletzt wurden. In manchen Fällen wird dafür auch ein Kontrastmittel in die Eintrittsstelle injiziert, um den Stichkanal zu verfolgen. Die Punktion und Untersuchung der Gelenksflüssigkeit von Hufgelenk oder Hufrollenschleimbeutel kann Aufschluss darüber geben, ob eine Penetration in diese Strukturen erfolgt ist. Bei unklaren Ergebnissen der durchgeführten Untersuchungen sollte eine MRT- (Abb. 2) oder CT-Untersuchung angeschlossen werden.

Um die korrekte Therapie einleiten zu können, ist die Kenntnis des genauen Ausmaßes der beteiligten Strukturen unerlässlich. Anschließend wird der Huf antiseptisch vorbereitet, der Stichkanal unter Leitungsanästhesie bis zur tiefsten Stelle verfolgt, trichterförmig vergrößert, desinfiziert und ein Verband angelegt.

Sind synoviale Strukturen oder die Sehne betroffen, muss eine Operation in Vollnarkose erfolgen. Gegebenenfalls werden Knochenanteile kürettiert, Sehnenanteile entfernt oder das Gelenk gespült. Das Ausmaß der nötigen chirurgischen Intervention ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Anschließend wird das Pferd unter Entzündungshemmer und Antibiose gestellt.

Abb. 3 a,b | Röntgen des Hufes in 2 Ebenen.

© Pferdeklinik Burg Müggenhausen
 

Wie ist die Prognose?

Ein Nageltritt ohne Beteiligung synovialer Strukturen kann gut und einfach abheilen. Die Penetration von Gelenk, Schleimbeutel und/oder tiefer Beugesehne zieht in der Regel eine Infektion dieser nach sich und hat immer eine vorsichtige Prognose. Je mehr sensible Strukturen gemeinsam betroffen sind, desto schlechter ist die Prognose.

Generell gilt: Je schneller eine fachgerechte Versorgung und gegebenenfalls nötige chirurgische Intervention erfolgt, umso besser sind die Chancen für eine vollständige Genesung. Daher sollte eine Nageltrittverletzung nie auf die leichte Schulter genommen, sondern immer direkt eine tierärztliche Versorgung eingeleitet werden.

Kurz und knapp

Der Nageltritt ist ein Notfall und erfordert eine gründliche, zeitnahe tierärztliche Versorgung. Die Tetanusprophylaxe durch regelmäßige Impfungen ist in Fällen wie dem Nageltritt entscheidend und sollte daher von den Pferdehalter:innen sehr ernst genommen werden. Die Versorgung eines komplizierten Nageltritts kann unter Umständen eine lange Therapiedauer nach sich ziehen, jedoch sind die Chancen für eine komplikationslose Heilung bei rascher tierärztlicher Versorgung deutlich erhöht.

Autorin

Sandra Heinrich 

Assistenztierärztin an der Pferdeklinik Burg Müggenhausen

Unter Anleitung von:

Vanessa André, Tierärztin

Fachärztin für Pferde (Orthopädie & Chirurgie) und Geschäftsführung an der Pferdeklinik Burg Müggenhausen 

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