Operations-Assistenz
Vorbereitung des Patienten
Der wichtigste Schritt einer Operation beginnt bereits während der Allgemeinen Untersuchung des Tieres. Hier werden grundsätzliche Gesundheitsparameter erfasst sowie das aktuelle Gewicht, außerdem etwaige Allergien abgeklärt und sonstige Stolperfallen aufgedeckt. Eine Blutuntersuchung kann Defizite aufklären, die zu bösen Überraschungen führen könnten. Je besser der Patient im Vorfeld durchleuchtet wurde, desto sicherer verläuft die geplante Operation.
Unmittelbar vor der OP folgt das sterile und korrekte Legen eines venösen Zuganges, welcher gut gesichert werden muss gegen spitzfindige fellige Patienten. (Abb. 1)
Nun ist das Tier bereit für die Prämedikation und benötigte Sedation, welche der Beruhigung, Analgesie und Myorelaxation dient. Diese variiert hinsichtlich der Tierart, dem Gesundheitszustand des Tieres sowie der Art der Operation. Durch eine optimale Kombination kann bei den anderen Narkosemitteln die Dosis reduziert werden. Damit wird der tierische Organismus weniger belastet und auch die Aufwachphase angenehmer gestaltet. Eine Win – win – Situation.Eine Antibiotikagabe sollte nicht per se stattfinden, sondern nur, wenn sie induziert ist. Beispiele hierfür sind nicht saubere OPs, länger dauernde OPs oder bei dem Einsatz von Implantaten, wo es keinesfalls zu einer Infektion kommen darf.
Eckpfeiler der OP-Assistenz
Vorbereitung des Patienten: Gesundheitsdaten, Zugang, Prämedikation, Antibiotikum
Narkoseeinleitung: Einleitung der Narkose, Intubation, Lagerung, Rasur
Verhalten während der Operation: Aufrechterhaltung der Narkose, Überwachung, Infusion
Nachsorge: Aufwachphase
Narkoseeinleitung und Intubation
Nachdem alle vorangegangenen Schritte abgearbeitet wurden, kann der Patient in die Narkose geleitet werden. Dies ist ein kritischer Punkt und daher sollten der Ablauf gut einstudiert sein und alle Handgriffe sitzen. Es gibt verschiedene Präparate z.B. Alfaxan und Ketamin, jedoch wird häufig Propofol verwendet, um das Tier schnell in die Narkose zu bringen. Dieses flutet innerhalb weniger Sekunden an und wird venös verabreicht. Jetzt heißt es schnell, aber zielführend zu handeln, denn der Patient muss korrekt intubiert werden. Hierfür ist es sehr wichtig, alle Materialien bereits vorbereitet zur Hand zu haben.
Tipp:
Materialien zur Intubation: Laryngoskop, Tubus, Larynxmaske, Maulspreizer, Beißholz, Mullbinde, Tupfer und Handschuhe.
Das Tier kann zur Intubation in Brustbauchlage oder in Seitenlage gelagert werden. Es ist wichtig, die Intubation in verschiedenen Positionen des Patienten zu beherrschen, da es auch zu Situationen kommen kann, wo das Tier nicht standardmäßig in Brustbauchlage verbracht werden kann. Übung macht den Meister.
Grundsätzlich sollte ein/e Assistent/in das Maul des Patienten offenhalten und den Hals überstrecken. So hat man gute Sicht auf den Rachenbereich. Mit Hilfe des Laryngoskops kann durch Druck auf den Zungengrund der Kehlkopf freigelegt werden. Wichtig hierbei: nicht die Epiglottis quetschen. Das führt zu einer hohen Nekrosegefahr. Der Tubus wird dann in den Larynx eingeführt und mit einer Mullbinde so fixiert, dass die Zunge frei beweglich bleibt. Ein Beißholz oder eine abgeschnittene Spritze von geeigneter Größe helfen, das Maul offen zu belassen. Anschließend sollte der Cuff des Tubus geblockt werden. Im Idealfall benutzt man hierfür ein Manometer zur Drucküberwachung. Andernfalls können bei zu hohem Druck Nekrosestellen an der Trachealschleimhaut entstehen. Viele stellen sich nun die Frage, ob denn der Tubus korrekt sitzt. Das kann man einerseits erfühlen, indem man die Hand vor den Tubus hält und bei Ausatmung auf Luftströmung achtet. Besser ist es aber definitiv, einen Blick auf den Monitor des Intubationsgerätes zu werfen, sobald der Tubus an den Narkoseschlauch angeschlossen wurde. Hier kann man nämlich optimal die CO2-Kurve überwachen und auf normales Aussehen überprüfen.
Rasur und Lagerung
Wenn der Patient erfolgreich in die Narkose verbracht wurde, dann kann die Lagerung angepasst werden, falls es nötig ist. Eine optimale Lagerung basiert am geplanten Eingriff und an den Präferenzen des Chirurgen und sollte unbedingt Bestandteil der OP-Planung sein. Möglicherweise muss das Tier in Rückenlage gebracht werden, dann helfen Lagerungskissen für eine gute Fixierung. Bei kleinen oder kritischen Patienten bieten sich Wärmespender (z.B. Wärmematten oder -packs, Bair Hugger) an, um die Temperatur gut zu halten. Müssen Gliedmaßen ausgebunden werden, dann helfen Schnüre oder Mullbinden.
Ein fixierter Patient kann nun viel leichter rasiert werden. Dazu bietet es sich an, Rasiermaschinen verschiedener Art vorrätig zu haben. Die Maschinen sollten gereinigt, desinfiziert und gepflegt vorzufinden sein. Ansonsten besteht das Risiko der Kontamination oder gar Infektionsverbreitung – das möchte niemand. Die Größe des rasierten OP-Feldes muss dem Eingriff entsprechen, grundsätzlich lieber großzügig als zu wenig ausscheren. Denn ein zu kleines OP-Feld birgt die Gefahr der Kontamination der OP-Wunde und sollte der/die Chirurg/in sich doch intraoperativem entscheiden, das OP-Feld zu vergrößern, dann gibt es Probleme... Auch postoperativ kann es hier zu Problemen in der Sauberkeit bei der Wundbehandlung kommen. Wunden sollten grundsätzlich während der Rasur abgedeckt werden (z.B. mit Tupfern oder einem Gel), damit keine Haare hineingelangen. Was man aber unbedingt im Hinterkopf behalten sollte: die Rasur sollte „anschaulich“ bleiben, damit Herrchen und Frauchen im Nachhinein keinen allzu großen Schreck bekommen.
Monitoring während der OP
Der Patient liegt in der Narkose, der oder die Chirurg:in machen sich an die Arbeit und Sie sind nun für das Monitoring zuständig. Hierzu soll gesagt sein: die Überwachung und Narkosemanagement sind genauso wichtig, wie der Eingriff selbst! Es sollten alle möglichen Maßnahmen getroffen werden, um das Narkoserisiko auf das Minimum zu reduzieren. Ab hier ist die OP-Vorbereitung abgeschlossen und ein neues Kapitel beginnt.
Kurz und knapp
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