Person hält den Kopf und Nacken eines Pferdes

Pferdeosteopathie/-physiotherapie

»Christin Stark-Bettaque«

Endlich machen, woran das Herz hängt

Ist die Entscheidung gefallen, sich zur Pferdeosteopath:in und/oder -physiotherapeut:in ausbilden zu lassen, steht gleich die nächste Wahl an: die Ausbildungsstätte. Der Markt und das Netz sind voller verschiedener Schulen, Konzepte und Methoden. Online, Präsenz, berufsbegleitend … Vieles will verglichen und bedacht werden. Und was ist überhaupt mit der Qualitätskontrolle? Kann sich jede:r Therapeut:in auch einfach „Schule“ nennen? Christin Stark-Bettaque gibt Euch eine kleine Orientierungshilfe.

Berufsfeld ohne staatliche Regulierung oder Anerkennung

Das Berufsfeld der Pferdeosteopathie und Pferdephysiotherapie ist staatlich nicht geschützt. Das bedeutet in der Konsequenz, dass sich auch jeder „Schule“ nennen und ausbilden darf.

Tipp:
Das Fehlen einer geschützten Berufsbezeichnung macht es umso wichtiger, die richtige Ausbildungsstätte zu finden. Nur so könnt Ihr Euch mittels einer fundierten Ausbildung später als Therapeut:in auf dem Markt behaupten.

Aus der Historie gewachsen gibt es in Deutschland eine Handvoll etablierter, großer Ausbildungsstätten: 

  • das DiPo in Dülmen (Inhaberin: Beatrix Schulte-Wien)
  • das ZePo in Bargstedt (Inhaberin: Christin Stark-Bettaque) 
  • Babara Welter-Böller in Overath

In den letzten Jahren erschienen dazu viele neue, teils reine Online-Schulen. Die Konzepte werden individualisiert und die Einflüsse aus der energetischen Arbeit integriert. Das Angebot ist vielfältig.

Abb. 1a, b | Hören, sehen, tasten und vergleichen: Anatomische und biomechanische Kenntnisse sowie Grifftechniken sind die Basis.

Bei aller Vielfalt – die Basis bleibt das Handwerk

So schön und neu manches klingen mag, eines bleibt in der Therapeutenarbeit immer gleich: Die Semantik ist Latein, und die Grifftechniken müssen sicher sitzen. LernApps sind toll, und Onlineunterricht kann Fahrkosten und Zeit sparen. Die Grundlage und gleichzeitig unverzichtbare Basis bleiben aber die anatomischen und biomechanischen Kenntnisse und die Grifftechniken (Abb. 1). Unterschiedliche Pferde und verschiedene Strukturen müssen dutzendfach beurteilt und angefasst werden, damit die Therapeut:innen die notwendige Routine gewinnen (Abb. 2), um das Pathologische vom Physiologischen zu unterscheiden. Das Erlernen der Griffe erfordert die permanente und sofortige Korrektur durch kundige Ausbilder:innen, damit nicht versehentlich das Falsche zur Routine wird.
Niemand käme auf die Idee, sich auf dem Beifahrersitz eines Fahrers in den Straßenverkehr zu begeben, welcher seine Fähigkeiten aus Online-Tutorials erworben hat. Nichts anderes tun die Besitzer:innen dem Pferd an, wenn sie Absolvent:innen aus Ferninstituten an ihr Pferd lassen.

Gut zu wissen

Zu dieser Thematik kommt häufig von Schulseite die Aussage: „Die Praxis erlernen unsere Schüler:innen anschließend durch Praktika.“ Im Glauben an diese Aussage folgt oft das böse Erwachen: Therapeut:innen nehmen ungern Praktikant:innen auf. Zum einen macht eine bestehende Berufsgenossenschaftspflicht das Ganze kompliziert und unwirtschaftlich, zum anderen wird die zukünftige Konkurrenz ungern unterstützt.

Daher gilt: Am Praxisunterricht einer Ausbildungsstätte trennt sich die Spreu vom Weizen.
 

Abb. 2 a-b | Pferdeosteopathie ist eine zutiefst haptische Tätigkeit, die erlernt werden muss.

Die FN als Gütesiegel

In diesem freien Berufsfeld hat es sich die FN (Deutsche Reiterliche Vereinigung) zur Aufgabe gemacht, Qualitätsstandards für die Schüler:innen zu garantieren.

In Deutschland arbeiten derzeit 3 Institute mit diesem Siegel:

  • Frau Stark-Bettaque in Bargstedt
  • Frau Welter-Böller in Overath
  • Frau Auer am Bodensee

An diesen Schulen stehen die Inhalte der Ausbildung unter permanenter Qualitätskontrolle durch die FN. Zusätzlich können Humanphysiotherapeut:innen und Veterinärmediziner:innen dort die gesonderte FN-Prüfung ablegen, um sich anschließend „FN-zertifizierter Pferdephysiotherapeut“ zu nennen. Absolvent:innen ohne diese Vorbildung dürfen sich „Absolvent einer FN-anerkannten Schule“ nennen.

Gut zu wissen

Es gibt eine Reihe weiterer Zertifizierungen, welche verschiedene Schulen aufweisen. Wichtig zu wissen ist hier: Es handelt sich dabei in der Regel um Zertifizierungen der Organisation, Logistik und Didaktik der Institute, nicht jedoch um die Beurteilung der fachlichen Inhalte.

Vorher schauen statt später ärgern

Gruppengröße, Umgangston, Klassenverband oder Einzelvorlesung … die Schulen unterscheiden sich an vielen Punkten. Was zu Euch passt, wisst Ihr am Ende selbst am besten. Daher gilt: Schaut Euch den alltäglichen Unterricht einer Ausbildungsstätte persönlich an. Tage der offenen Tür sind gut, Imagevideos wirken einladend, und doch zeigen sie nicht das Entscheidende: den Unterricht, wie er in der Praxis stattfindet.

Tipp:
Fahrt hin, und bittet um einen halben oder ganzen Schnuppertag. Schaut Euch vorhandene Konzepte und Unterrichtssituationen an. An jeder seriösen Schule wird Euch dies möglich gemacht. 

Kurz und knapp

Am Ende bleibt ein Appell: Sucht gründlich und informiert Euch vor Ort. Der Beruf des Pferdeosteopathen und/oder Pferdephysiotherapeuten ist ein zutiefst haptisches Tätigkeitsfeld. Die nötige Sicherheit am Pferd und in der Diagnostik erlangt Ihr nur durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis an Eurer Ausbildungsstätte. Reine Onlineausbildungen oder überfüllte Hörsäle kosten dreifach: Geld, Zeit und als wichtigste Ressource: Deine Begeisterung und Dein Engagement für dieses spannende Berufsfeld.

Portrait Frau Bettaque
Autorin

Christin Stark-Bettaque

Fachzentrum für Pferdeosteopathie (ZePo)
Holtdorfer Dorfstr. 6
24793 Bargstedt/OT Holtdorf
www.pferdeosteopathie-sh.de

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