Wertschätzung im Team
Wertschätzung im Team als treibende Kraft
Wertschätzung im Arbeitsalltag ist keine einseitige Angelegenheit, die nur von Vorgesetzten ausgeht – sie betrifft alle Teammitglieder. Eine Umfrage zeigt, dass viele Mitarbeitende bleiben würden, selbst wenn ihre Vorgesetzten wenig Anerkennung zeigen – solange sie Wertschätzung im Team erfahren. Dabei geht es nicht nur um allgemeine Wertschätzung, sondern darum, individuelle Unterschiede zu beachten: Jeder Mensch hat eine bevorzugte Art, Wertschätzung zu erfahren. Das kann manchmal herausfordernd sein.
Tipp:
Wertschätzung wirkt besonders, wenn sie individuell ist. Wer weiß, dass eine Kollegin sich für exotische Wildtiere interessiert, könnte ihr ein spannendes Fachbuch empfehlen oder ihr von einer passenden Fortbildung erzählen.
Gut zu wissen
Da wir unterschiedliche Persönlichkeiten haben, nehmen wir Wertschätzung auch unterschiedlich wahr. Wer sich wie gewertschätzt fühlt, das muss man somit im Team rausfinden. Kleiner Tipp: nachfragen hilft.
Die feinen Unterschiede kennen
Wertschätzung kann zudem in beide Richtungen gehen: Auch Führungskräfte können Anerkennung erhalten. Dabei hilft es, die verschiedenen Sprachen der Wertschätzung zu kennen, die Chapman und White beschrieben haben. Eine der häufigsten ist die verbale Anerkennung, die 46 % bevorzugen – sei es durch Lob, Komplimente oder wertschätzende Worte.
Gut zu wissen
Lob ist nicht gleich Lob. Es macht einen Unterschied, ob ich sage „Hast Du gut gemacht“ oder „Ich finde, Du hast die Katze gerade richtig professionell gehalten“. Der Unterschied? Ich beziehe mich auf einen konkreten Vorgang und bewerte diesen positiv. Das erst genannte Lob kann durchaus auch von „oben herab“ gewertet werden und kommt daher bei manchen Personen nicht gut an.
Verbale Anerkennung motiviert
Gerade in der Tiermedizin gibt es viele Situationen, in denen verbale Wertschätzung eine große Rolle spielt. Ein Beispiel ist der Dank an eine Kollegin, die kurzfristig eine Schicht übernommen hat: „Danke, dass Du so spontan eingesprungen bist – ohne Dich hätten wir die Notfallversorgung heute nicht so reibungslos hinbekommen.“
Auch die Anerkennung für besondere Fähigkeiten kann wertvoll sein: „Du hast eine unglaublich beruhigende Wirkung auf ängstliche Tiere. Das bewundere ich sehr.“ Oder einfach ein freundliches Kompliment: „Deine positive Art macht unseren stressigen Alltag viel angenehmer.“
Tipp:
Kurze, wertschätzende Rückmeldungen müssen nicht auf besondere Leistungen warten. Ein einfaches „Danke für Deine Unterstützung heute“ oder „Ich schätze Deine ruhige Art im Umgang mit schwierigen Fällen“ stärkt das Miteinander.
Schriftliche Formen der Anerkennung können ebenfalls wirkungsvoll sein. Nach einem herausfordernden Fall kann eine kurze Notiz an eine Tierärztin (Abb. 1) oder einen Tierpfleger viel bedeuten: „Deine schnelle Diagnose hat dieses Tier gerettet – großartige Arbeit“ oder eine Dankeskarte
(Abb. 2) nach einem erfolgreichen Teamprojekt: „Gemeinsam haben wir die Terminsprechstunden erfolgreich umgestellt – danke für Eure Unterstützung.“
Tipp:
Eine „Danke-Wand“ im Teamraum, auf der Kolleginnen und Kollegen kleine Notizen hinterlassen können, schafft ein positives Umfeld. In einer Tierarztpraxis könnte das beispielsweise ein Bereich sein, wo das Team besondere Momente oder Erfolge festhält.
Wichtig ist, dass Wertschätzung individuell und konkret ausgedrückt wird. Allgemeine Aussagen haben oft wenig Effekt. In einem Team, das gemeinsam arbeitet und sich gegenseitig respektiert, schafft Wertschätzung eine Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen und motiviert bleiben.
Wie kann ich Wertschätzung noch ausdrücken, wenn nicht verbal?
Wertschätzung durch Zeit
Manche Menschen fühlen sich besonders wertgeschätzt, wenn jemand ihnen bewusst Zeit widmet. Stell Dir z.B. die folgenden Situationen vor: Ein Tierarzt nimmt sich bewusst Zeit, einem neuen Teammitglied die besten Beruhigungstechniken für nervöse Hunde zu zeigen. Das zeigt Wertschätzung für dessen Entwicklung. Oder: Die Leitung einer Tierklinik organisiert regelmäßige „Kaffeepausen“, um mit Mitarbeitenden ungezwungen ins Gespräch zu kommen – ganz ohne Druck und Ablenkung. Wie fühlt sich das an?
Hilfsbereitschaft – Unterstützung im stressigen Alltag
Für 22 % der Mitarbeitenden bedeutet Wertschätzung, wenn jemand aktiv hilft, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Gerade in hektischen Situationen ist Unterstützung Gold wert. Stell Dir dabei folgende Möglichkeiten vor: Eine Kollegin übernimmt den Telefondienst, damit eine andere TFA sich ganz auf die Notfallbehandlung eines verletzten Hundes konzentrieren kann. Oder: Ein Tierpfleger hilft spontan beim Reinigen der OP-Räume, obwohl das nicht zu seinen Hauptaufgaben gehört – einfach, weil er sieht, dass das Team unter Zeitdruck steht. Kennst Du diese Hilfsbereitschaft in Deinem Team?
Geschenke – Kleine Aufmerksamkeiten mit Bedeutung
Für etwa 6 % der Mitarbeitenden sind Geschenke eine Form der Wertschätzung – allerdings weniger wegen des materiellen Wertes, sondern wegen der Symbolik dahinter. Es macht also Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, was man konkret tun kann, anstelle „nur“ die nächste Tafel Schokolade zu verschenken (Abb. 3).
Körperkontakt – Hier sind Vorsicht und Feingefühl gefragt
Diese Form der Wertschätzung ist im Arbeitsalltag heikel, denn nicht jede Person fühlt sich wohl damit. Dennoch kann angemessener körperlicher Kontakt eine starke Wirkung haben. Hier zwei Beispiele, die in der Regel gut toleriert werden: Nach einem stressigen Tag gibt ein Kollege einer TFA ein „High Five“, um ihre besondere Leistung anzuerkennen (Abb. 4). Oder: In einem emotionalen Moment – etwa nach einer schwierigen Entscheidung zur Euthanasie eines Tieres – fragt eine Kollegin vorsichtig, ob eine Umarmung angebracht wäre.
Kurz und knapp
Wertschätzung ist vielfältig, und jede Person nimmt sie anders wahr. Wichtig ist, dass sie authentisch und respektvoll geschieht. Gerade in unserer tiermedizinischen Branche, wo Stress und Belastung im Praxis- und Klinikalltag oft hoch sind, kann eine wertschätzende Haltung für ein besseres Teamklima und mehr Zufriedenheit sorgen. Wer dabei welche wertschätzende Art bevorzugt, ist individuell unterschiedlich. Es macht also Sinn, sich gut kennenzulernen, um gegenseitig genau den richtigen „Nerv“ zu treffen.