Zukunftsängste
Die Angst vor der Zukunft
Wir alle haben ein Problem: Keiner von uns kann in die Zukunft blicken. Entscheidungen, die wir heute fällen, können sich morgen als falsch erweisen. Wege, die wir heute gehen, können wir bereuen. Dies ist ein unveränderlicher Fakt. Warum aber führt das Offensichtliche dazu, dass manche Menschen genau aus diesen Gründen keine Entscheidungen fällen können oder wollen?
Unser Gehirn liebt Struktur und Regelmäßigkeit. Man kann sich das so vorstellen, als wäre man in einem Dschungel. In unseren Kindheitsjahren ist dieser noch niedrig bewachsen, und wir können relativ einfach Trampelpfade etablieren, sodass wir mit etwas Übung leicht von A nach B kommen. Mit der Zeit wird der Dschungel dichter und höher. Verändert sich nun etwas, müssen wir eine Machete in die Hand nehmen und uns neue Wege freischlagen. Das kann leicht sein, aber auch sehr schwer, je nachdem wie hoch das Dickicht bereits gewachsen ist. Menschen, die über eine hohe gedankliche Flexibilität verfügen, haben es über die Jahre geschafft, das Dickicht durch regelmäßige Pflege nicht zu dicht werden zu lassen. Sie können mit wenig Aufwand einen anderen Weg einschlagen. Andere sind so fest auf ihren Pfaden, dass es große Bemühungen erfordert, die ein oder andere Abbiegung zu nehmen. Vor allem, wenn man nicht weiß, was sich hinter dem nächsten Busch oder Baum versteckt. Eine Schlange? Ein Tiger?
Diese Ungewissheit bringt auch die Zukunft mit sich. Und dies kann beängstigend sein. Also bleiben wir lieber dort, wo wir sind. Da ist es warm und sicher. Und wenn es nicht warm und sicher ist, ist es doch wenigstens etwas, was wir schon kennen.
Gut zu wissen
Veränderungen bringen verschiedene Unsicherheiten und Ängste mit sich:
- Die Angst vor dem Unbekannten.
- Die Angst vor Kontrollverlust.
- Die Angst, negative Erfahrungen zu machen.
- Die Unsicherheit, die eigene Komfortzone zu verlassen.
Stelle Dir Zukunftsentscheidungen wie eine Tür vor: Hat sie eine Klinke oder einen Knauf? Hat die Tür, durch die Du gehen möchtest, eine Klinke, kannst Du wieder zurückkehren und eine (falsche) Entscheidung rückgängig machen. Durch eine Tür mit einem Knauf kommst Du nicht mehr zurück.
Unzufriedenheit führt nicht zwangsläufig zu Veränderung
Viele Menschen, die mit ihrer aktuellen Situation unzufrieden sind, wissen das. Was also hält diese Personen davon ab, etwas zu verändern? Es gibt viele Ursachen, warum wir Veränderungen bremsen. Aber meist sind es zwei Gründe: Versagensangst oder Aufwand.
Tipp:
Setze Dich bewusst mit Deinen Zukunftsängsten auseinander und hinterfrage sie.
Frage Dich zum Beispiel:
- Was genau ist beängstigend?
- Was ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn ich eine Veränderung zulasse?
- Was ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn ich keine Veränderung zulasse?
- Habe ich bereits ähnliche Erfahrungen gemacht, aus denen ich lernen kann?
Die Angst zu versagen und „alles schlimmer zu machen“ hat mit mangelnder Selbstwirksamkeit zu tun. Der damit verbundene Satz: „Ich schaff das!“ wird dann zu „Ich schaff das nicht!“. Woher diese geringe Selbstwirksamkeit kommt, muss jede und jeder selbst ergründen. Aber ein hilfreicher Schritt ist, sich selbst zu fragen: „Warum glaube ich, dass ich dieses oder jenes nicht schaffe?“
Hier ein paar Gedankenvorschläge:
- „Weil ich zu schlecht ausgebildet bin.“ Mögliche Antworten: „Was würde Dir fehlen, um besser ausgebildet zu sein?“ oder: „Ist das wirklich so? Oder nur Dein eigener Eindruck?“ Mögliche Aktionen: Frage andere Personen, wie sie Deine Ausbildung bewerten. Recherchiere nach Weiterbildungsmaßnahmen, die Dich weiterbringen könnten und prüfe, welche für Dich infrage kommen.
- „Weil ich das allein nicht schaffe.“ Mögliche Antworten: „Warum solltest Du das allein nicht schaffen? Ist das wirklich so oder machst Du Dich kleiner als Du in Wirklichkeit bist?“ oder: „Wer könnte Dir zur Seite stehen? Wenn niemand aus dem Freundes- oder Familienkreis (Abb. 1), dann vielleicht jemand von offizieller Seite?“ Mögliche Aktionen: Mache Dir eine Liste an Personen, Behörden oder anderen Ansprechpartner:innen, die Dir einfallen, und bewerte einzeln anhand einer Skala von 1–10, wie sehr Dir diese Person oder Einrichtung helfen könnte. Auch helfen zu Beginn kleine erreichbare Schritte, die Du schaffst. Denn auch kleine Schritte sind Schritte in die Veränderung.
Gut zu wissen
Viele Menschen sind von Zukunftsängsten betroffen. Die Frage ist aber immer: Wie gehe ich damit um? Es gibt grundsätzlich drei Möglichkeiten: Verdrängen, verharren (und jammern) oder aktiv angehen. Jede Möglichkeit ist eine Entscheidung, ob bewusst oder unbewusst.
Mit Strategie und dem richtigen Mindset in die Zukunft gehen
„Heute ist der erste Tag Deines restlichen Lebens“ (M. Gandhi). Wenn wir so oder so ähnlich einen offiziellen Startzeitpunkt für uns auswählen, hat dieser auch eine Gültigkeit und eine gewisse Verpflichtung.
Tipp:
Am besten steht dieser Startzeitpunkt in Deinem Kalender: „Verabredung mit mir!“ (Abb. 2).
Wenn wir uns zudem bewusst machen, warum eine Veränderung sinnvoll ist (für uns, für die Gemeinschaft, für die Praxis oder das Team), dann hilft dies, auch schwere erste Schritte zu gehen. Niemand verändert sich gerne, wenn es nicht sinnvoll erscheint.
Tipp:
Finde den Sinn hinter einer möglichen Veränderung. Dies wird auch bei der Entscheidungsfindung helfen.
Möchte man bewusst in die Zukunft gehen, hilft es zudem, sich mit den eigenen Stärken und Schwächen zu beschäftigen sowie Möglichkeiten und Gefahren abzuwägen, die einem begegnen könnten. Stärken und Schwächen kann man persönlich beeinflussen, z.B. durch Training (auch mental). Möglichkeiten und Gefahren beziehen sich auf unsere Umwelt und sind nicht immer von uns beeinflussbar. Man arbeitet also mit Wahrscheinlichkeiten, dies muss man sich bewusst machen und lernen zu akzeptieren, wenn die eigene Wahrscheinlichkeitsrechnung am Ende doch nicht aufging.
Ein zukunftsfreundliches Mindset beinhaltet:
- Akzeptanz des Unveränderlichen
- eine positive Einstellung
- Neugier
- Offenheit
- Flexibilität
- Entscheidungsfreude
- Verantwortungsübernahme (für eigene Entscheidungen)
- Fokus
Kurz und knapp
Zukunftsängste können uns davon abhalten, notwendige Veränderungen vorzunehmen. Unser Gehirn bevorzugt bekannte Strukturen, was es schwierig macht, neue Wege zu gehen. Unzufriedenheit allein führt nicht zwangsläufig zu Veränderung, oft sind es Versagensangst und der wahrgenommene Aufwand, die uns bremsen. Mit der richtigen Strategie und einem positiven Mindset können wir jedoch lernen, Veränderungen zu akzeptieren und aktiv in die Zukunft zu gehen.