Nahaufnahme des Zahnfleischs eines Pferdes

Die kapilläre Rückfüllungszeit beim Pferd

 »Nele Hamer« 

Kleiner Fingerdruck mit klinischem Nutzen

Als fester Bestandteil der Allgemeinuntersuchung des Pferdes kann die kapilläre Rückfüllungszeit einen entscheidenden Hinweis auf den Gesundheitszustand liefern. Mittels adspektorischer und palpatorischer Untersuchung der Schleimhäute können unter anderem Rückschlüsse auf den Kreislaufzustand des Tieres gezogen werden. Nele Hamer erläutert die klinische Relevanz und die Durchführung.

Die Schleimhäute des Pferdes sollten physiologischerweise blassrosa, glatt, feucht-glänzend, mit fein gezeichneten Gefäßen und ohne Auflagerungen sein.

Sichtbare und untersuchbare Schleimhäute sind: 

  • Maulschleimhaut (Abb. 1)
  • Nasenschleimhaut
  • Konjunktiven
  • Rektumschleimhaut 
  • Schleimhaut von Vagina bzw. Penis und Präputium

 

Die kapilläre Rückfüllungszeit, kurz „KFZ“, ist von großer klinischer Relevanz. Sie beschreibt die Zeitdauer, die benötigt wird, um die durch den lokalen Fingerdruck hervorgerufene temporäre Anämisierung (Auslösen einer regional begrenzten Blutarmut) der Schleimhaut nach dem Lösen aufzuheben und den ursprünglichen Zustand der durchblutungsbedingten Maulschleimhautfarbe wiederherzustellen. 

Durchführung

Für die Ermittlung der kapillären Rückfüllungszeit eignet sich beim Pferd die Maulschleimhaut. Zunächst wird die Oberlippe des Pferdes mit einer Hand angehoben. Mittels Zeigefinger oder Daumen der anderen Hand wird die Maulschleimhaut durch mäßigen Druck komprimiert. Die Kompression führt dazu, dass sich durch eine kurzzeitige Unterbrechung der Kapillardurchblutung ein anämischer Bezirk bildet. Die Schleimhaut erblasst in diesem Bereich. Nach Lösen des Fingerdrucks sollte die Zeit, nach der die Maulschleimhaut wieder die ursprüngliche Schleimhautfarbe annimmt (Rückfüllung), nicht mehr als 2 Sekunden betragen.

Tipp:
Für die Durchführung der Untersuchung empfiehlt es sich, unpigmentierte Schleimhaut zu nutzen.

Gut zu wissen

Eine verlängerte kapilläre Rückfüllungszeit kann ein Hinweis auf eine Kreislaufzentralisation (periphere Durchblutungsstörung) sein. Diese kann beispielsweise infolge eines Volumenmangelschocks oder einer Blutdrucksenkung auftreten. Bei einer Blutdrucksteigung ist die kapilläre Rückfüllungszeit verkürzt.

Abb. 1 | Adspektion der Maulschleimhaut (links). Bildliche Darstellung zur Überprüfung der kapillären Rückfüllungszeit beim Pferd (rechts).

Kurz und knapp

Die kapilläre Rückfüllungszeit ist ein wichtiger Bestandteil der Allgemeinuntersuchung des Pferdes. Sie kann als diagnostische Methode in Zusammenhang mit anderen klinischen Parametern einen wertvollen Hinweis auf den Gesundheitszustand des Pferdes geben. Die kapilläre Rückfüllungszeit sollte nicht mehr als 2 Sekunden betragen.

Alle Abbildungen © Nele Hamer

Portrait Frau Hamer
Autorin

Nele Hamer

Tierärztin
Pferdeklinik Bargteheide
 

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